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Portrait Horst Rhein – Einsatz im Ruhestand

Portrait Horst Rhein – Einsatz im Ruhestand

Die deutsche Wirtschaft läuft prächtig, viele Firmen können sich vor Aufträgen kaum noch retten. Und bekommen inzwischen massive Probleme mit fehlenden Fachkräften. Vor allem Ingenieure und andere hoch qualifizierte Akademiker sind nur schwer zu finden. Ein Problem, das sich in Zukunft eher verschärfen wird: der demografische Wandel drückt, es kommen weniger Junge nach. Immer mehr Firmen setzen darum auf Know-how, das bis vor einiger Zeit noch brachlag: Sie holen ihre Ruheständler zurück. Oder lassen die erst gar nicht in die Rente gehen. Wie die Steag Encotec. Die Tochter des Stromerzeugers Steag baut und betreibt Kraftwerke. Die Firma hat früh erkannt, wie wichtig die erfahrenen Mitarbeiter für sie sind und versucht sie, auch nachdem sie das Rentenalter erreicht haben, an sich zu binden. Der Ingenieur Horst Rhein ist einer von ihnen. Von Ralf Lehnert ______________________________________________ Morgens früh um sieben. Andere in seinem Alter schlafen noch, Horst Rhein dagegen sitzt schon am Frühstückstisch. Dabei könnte es der 66jährige Ingenieur eigentlich locker angehen lassen. Seine Rente hat er sich längst verdient. Doch noch will er sich nicht nur um den Garten kümmern. "Ich bin nicht reif für den Ruhestand. Denken sie an die Freiberufler, die legen ja auch nicht mit 65 den Griffel hin. Das liegt einfach an der Motivation. Ich arbeite gerne und hab also auch immer mit Begeisterung Ingenieurarbeit gemacht." Rhein betreut verschiedene Projekte bei Steag Encotec, die Firma baut und betreibt Kraftwerke. Heute hat er einen Termin im Kohle-Kraftwerk in Herne. Zusammen mit einem Kollegen schaut er sich an, wie die Kraftwerks-Turbine in Block 3 generalüberholt wird. Der so genannte Retro-Fit muss schnell gehen, jeder Tag, an dem die Maschine steht, kostet mehrere 10.000 Euro. Horst Rhein war in dem Unternehmen 18 Jahre lang Betriebsingenieur - das kommt ihm heute zu Gute: "Ich bin quasi jetzt das Bindeglied zwischen der Planung und dem Betrieb und sehe mir heute hier den Baufortschritt an." Bevor er weiter muss, lässt sich Horst Rhein noch die Baustelle für einen neuen Kraftwerks-Block zeigen. Für Herne 5 soll das Gelände komplett umgestaltet werden - sein nächstes Projekt. Horst Rhein auf dem Weg in die Zentrale, der Chef will wissen, wie es in Herne läuft. Der Geschäftsführer holt sich gerne Rat bei seinen älteren Mitarbeitern. Rund ein Dutzend Ruheständler sind momentan wie Horst Rhein weiter für die Firma im Einsatz. Es könnten ruhig noch einige mehr sein. Ralf Gilgen, Vorsitzender der Geschäftsführung von Steag Encotec erklärt: "Erst mal sind wir im Moment aufgrund der Kapazitäts-Nachfrage froh um jeden, der noch mithilft. Wir haben eine deutlich höhere Nachfrage als wir Ingenieure im Moment haben. In unserer Branche ist auch Erfahrung sehr wichtig, das ist auch ein Markenzeichen von uns, der Ingenieur mit Betriebserfahrung. Und insofern sind wir froh, dass unsere älteren Mitarbeiter uns da noch unterstützen." Erfahrung die Junge erst sammeln müssen. Mit zwei jüngeren Kollegen bespricht Horst Rhein, wie die Arbeit in Herne vorankommt. Der Austausch alt und jung funktioniert gut. Claudia Remich, Projekt-Ingenieurin beschreibt wie sich die Kompetenzen ergänzen: "Man muss schon akzeptieren, dass jeder seine eigenen Stärken hat. Also sprich: Herr Rhein kommt mit ganz vielen Informationen aus dem Kraftwerk, die wir nicht einschätzen können, damit müssen wir dann arbeiten. Und gleichzeitig stellen wir komplizierte Excel-Tabellen her, die wir dann wiederum Herrn Rhein nahe bringen müssen, Herr Rhein macht alles handschriftlich und wir machen alles immer am Computer." Viel Zeit für Hobbys hat Rhein nicht. Im Moment bleibt ihm nur der Nachhauseweg, um Italienisch zu lernen. Eigentlich wollte er das im Ruhestand öfter in Italien machen. "Es gibt Sachzwänge, Arbeit hat jetzt Vorrang hier, ganz klar, aber ich bin was zum Beispiel das Engagement mit meinem Enkelsohn anbetrifft sehr engagiert, lasse da auch manchmal den Griffel fallen, ich muss jetzt weg, und das passiert auch." Opa-Dienst nennt er das. Den nimmt er ernst. Zweimal die Woche holt er Enkel Luis vom Kindergarten ab, geht mit ihm zum Tennis und Fußballspielen. Seine Frau, Karin Rheins würde ihn gern öfter sehen, aber sie weiß, er hängt an seinem Job: "Er soll das ruhig machen. So lange er meint. Vielleicht muss er irgendwann mal kürzer treten, aber das muss er entscheiden. Das kann ich nicht entscheiden." Bis es soweit ist, wird Enkel Luis wohl längst in der Schule sein. Denn Horst Rhein will auch in Zukunft weiter Einsatz zeigen, nicht nur auf dem Bolzplatz sondern in der Arbeitswelt.

Pyro TV | October 12, 2007Watch more videos from Pyro TV

Tags:. .erreicht. .arbeiten. .sieben. .akademiker. .knowhow

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