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Neue "Gründerzeit" in Berlin – Die Metropole zieht junge Unternehmer an

Neue "Gründerzeit" in Berlin – Die Metropole zieht junge Unternehmer an

Berlin ist multikulturell, weltoffen und lebenswert. Es gilt als hippes Pflaster, billiger und doch trendiger als Paris, gemütlicher als London. Das ist das Bild, das viele junge Menschen im In- und Ausland von Berlin haben. Deshalb zieht die deutsche Hauptstadt jede Menge Leute an. Und lässt jene, die hier leben, nicht mehr los. Auch junge Geschäftsleute, die in Berlin ihr Glück machen wollen. Und die werden immer mehr: Seit 2001 steigt die Zahl der Neugründungen kontinuierlich. Zuletzt lag sie bei fast 41.000. Gemessen an der Zahl der Erwerbstätigen hat Berlin eine Gründerquote, die doppelt so hoch ist wie der Bundes-durchschnitt. Grit Hofmann und Dan Hirschfeld haben die neuen Gründer getroffen. Darunter zwei, deren Herren-Business-Modegeschäft erst ein Jahr alt ist und gut läuft. Fast schon "etabliert" kann sich dagegen das Unternehmen Cruso fühlen. Mittlerweile zwanzig Mitarbeiter stellen Navigationsgeräte für Fußgänger her: Stadtplan, Kompass, Reiseführer in einem. ____________________________________________________ Zehn Uhr morgens im Zentrum von Berlin. Marco Köhler testet die neueste Entwicklung seiner Firma. Der Gründer der "Cruso AG" baut Navigationssyteme für Touristen. Ansagetext: "Hotel Adlon. Das Hotel Adlon ist Berlins bekanntestes Luxushotel. Mehr noch: Es ist ein Mythos......" Der Ausflug zum Brandenburger Tor ist für den 35-jährigen Köhler ein wichtiger Praxistest. Er will wissen, ob Berlin-Besucher mit den Geräten seines Unternehmens klarkommen. Marco Köhler beschreibt sein Produkt: "Das Schöne ist, dass jemand, der die Stadt nicht kennt, sich mit diesem Gerät völlig frei durch die Stadt bewegen kann. Das Gerät weiß immer, wo der Nutzer hinschaut, wo er sich gerade befindet. Und abhängig vom Standort können wir ihm viele Sehenswürdigkeiten einblenden. Wenn er ein Bild antippt, bekommt er Informationen in seiner Landessprache." Köhlers Geräte erkennen, welches Gebäude der Tourist gerade anschaut - eine Neuheit, die andere Hersteller so bisher nicht anbieten. Ein Entwicklungsvorsprung für Köhlers Firma, den er auch der Entscheidung für Berlin verdankt. Marco Köhler: "Berlin ist Kulturstadt, hat sehr viel zu bieten. Viele Sehenswürdigkeiten, viele Events: Die lange Nacht der Museen, die lange Nacht der Wissenschaften. Dort kann man so ein Gerät wunderbar einsetzen, ergänzend zum normalen Sightseeing." Wenige Kilometer vom Brandenburger Tor entfernt sind Alexander Zimmermann und Sebastian Wartenberg im Szene-Stadtteil Kreuzberg unterwegs. Vor einigen Wochen haben sie sich den Traum vom eigenen Unternehmen erfüllt - und verkaufen hochwertige Männermode. Auch bei ihnen war schnell klar, dass ihr Laden in Berlin stehen muss. Alexander Zimmermann, Gründer von SUITcase Mode: "Wir sind in Berlin, weil man hier alle Trends finden kann, von konservativer bis hin zu äußerst flippiger Mode. Berlin ist eine Modestadt, mit der Bread&Butter und der Premium Messe - DER Jeansmesse schlechthin und DER Messe für Independent Labels. Jeder, der hier eine Boutique aufmacht, kann seine Nische finden." Die Nische der frischgebackenen Mode-Unternehmer: Sie bieten in ihrem Laden nicht nur Anzüge und Krawatten an. Wer sich hier einkleidet, bekommt auch eine individuelle Stilberatung. Alexander Zimmermann: "Uns ist beim Verkauf aufgefallen, dass viele Kunden gar nicht wissen, wie man einen Krawattenknoten bindet. Daraufhin haben wir uns überlegt, wir machen ein Seminar zum Krawatten binden. Wir laden die Leute einfach zu einem netten Gespräch und zum Knoten binden ein. Da erklären wir dann auch, welche Krawatten man zu welchen Anzügen kombinieren oder eben nicht kombinieren sollte." Navigationsexperte Marco Köhler ist inzwischen in Adlershof angekommen. Im Technologiepark Adlershof arbeiten mehr als 700 Unternehmen, die meisten aus der High-Tech-Branche. Forscher der Berliner Humboldt-Universität haben hier eine Außenstelle. Ein idealer Standort für Köhler und seine Cruso AG. Marco Köhler: "Wir haben hier eine ganze Menge an Geschäftsbeziehungen zu anderen Unternehmen. Unsere Grafikerin zum Beispiel, wenn da mal eine Änderung ansteht, dann geht man schnell rüber oder runter, je nachdem. Die Sache ist dann in fünf Minuten erledigt, das spart enorm Zeit. Das ganze Gelände hat Deutschland- und Europaweit einen sehr guten Ruf. Wenn man sagt, man sitzt in Adlershof, dann ist das ein bisschen wie: 'Die haben Ahnung', weil die kommen aus 'Klein Silicon Valley'. " Köhlers Team entwirft, baut und wartet die Fussgänger-Navigationsgeräte selbst. Die elektronischen Stadtpläne werden ständig aktualisiert. Und neue Ideen, die der Chef von den Tests mit Touristen mitbringt, werden sofort in die Software eingebaut. Bis aus der Idee "Fussgänger-Navigation" ein fertiges Produkt wurde, mussten Marco Köhler und seine Mitstreiter manche Zitterpartie überstehen. Marco Köhler: "Es gibt Unternehmen, die geben viele Millionen für so eine Entwicklung aus. Wir haben da etwas weniger gebraucht, aber da spielt natürlich immer der Idealismus eine Rolle. Man verzichtet hier und da gern auf ein ordentliches Gehalt. Die Lösung ist dann die Belohnung für alle Mühen, die man auf sich genommen hat." Wie für Köhlers Team ist Idealismus und viel Engagement auch bei den Modeunternehmern aus Kreuzberg das A und O. Aus ihrer Idee, die Käufer individuell zu beraten, sind mittlerweile professionelle Seminare geworden. Viel Arbeit, aber immer mehr Banken, Unternehmensberatungen und Hotels lassen hier ihre Mitarbeiter schulen. Die Nische der beiden Gründer ist am Markt angekommen.

DW-World | April 1, 2008Watch more videos from DW-World

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