
Die Finanzkrise ist auch ein Thema beim Nachwuchs der Branche. Ob an den Fakultäten der Universitäten oder bei den privaten Hochschulen - es wird viel diskutiert. So auch an der Frankfurt School of Finance and Management. Hier fragen sich angehende Banker, wieso ihre Berufsgruppe jetzt in Misskredit steht. Ihr Wissen ist längst noch nicht so ausgereift wie bei den gestandenen Bankern, vieles können sie sich noch nicht erklären. Vor allem stellen sie sich viele Fragen: Will man noch Hedgefonds-Manager werden, wenn diese Berufsgruppe derzeit so umstritten ist? Oder soll man lieber zur guten alten Hausbank? Dabei geht es für viele angehende Banker bereits jetzt um die Wahl: wollen sie Berater werden oder Verkäufer? Die Krise hat für die jungen Studenten die Umstände der Branche erst so richtig verdeutlicht. Und nie hätten sie gedacht, dass jetzt sogar ethische Fragen wichtig werden. Eine Analyse von Holger Trzeczak. ____________________________ Sie sind knapp 20 und zahlen rund 5000 Euro pro Semester. Die Börsenkurse behalten sie schon im Blick wie die Alten – junge Bankkaufleute, die ins Management wollen. Sie studieren an der Frankfurter Finanzschule. Die Finanzwelt und ihre Krise - eine spannende Sache. Auch Florian Kepplers Verhältnis zur Branche ist ungebrochen. Krisen, sagt er, gehören nun Mal zur Wirtschaft, wie auch sonst zum Leben: "Alles stürzt irgendwann mal zusammen, wie man so schön sagt, wenn sie jetzt nur während guten Zeiten im Geschäft sind, und immer wieder alles besser bleibt, und es wird noch besser, und es entwickelt sich alles gut, dann können Sie Risiken gar nicht mehr richtig einschätzen." Die Professorin sagt dazu: "Es gibt ein Rettungspaket, aber was wir bisher beobachtet haben, ist ja eigentlich, das nicht soviel passiert ist, so viele Banken haben es ja nicht in Anspruch genommen." Das Fach Entscheidungstheorie. Die Professorin eröffnet gern mit aktuellen Fragen in diesen Tagen. Und die jungen Banker diskutieren gern: "Das stellt natürlich wieder in Relation, machen es andere Länder auch? Bleiben wir insofern wettbewerbsfähig? - Wenn dann die Banken in den USA oder in England jetzt zu ihrem Glück praktisch gezwungen werden, sind sie auch besser kapitalisiert dann und besser für den Wettbewerb gerüstet danach. – Ich glaube schon, dass das Personal bei den entsprechenden Banken auch abwandert, gerade wenn in Deutschland das Gehalt so ein bisschen gedeckelt wird, je nach dem welche Banken das annehmen, dann ich glaub schon dass sie sich Richtung angloamerikanisch dann ein bisschen orientieren werden, einfach vom Geld her, also würde ich auch machen." Pause an der Managerschule. Die Zinsformel, das ABC der Banker, sagt Florian Keppler gilt weiter. Der Schulalltag läuft ab wie immer. Die künftigen Finanzexperten sehen die Krise – so scheint es – eher sportlich. Sie lernen so viel wie nie. Zum Beispiel Ayca Tunc, BWL-Studentin: "Wie man Finanzinstrumente bilanziert in schwierigen Zeiten, wenn einfach die Bewertung der Finanzinstrumente nicht mehr gegeben ist durch den Markt, dadurch werden neue Finanzierungsmethoden entwickelt und... – der Reporter fragt nach: Bilanzierungsmethoden oder Bilanzierungstricks? – Methoden, neue Methoden, ja. Dass es Tricks gibt, ist ja klar, Tricks gibt’s immer..." Aber was ist mit den Bonuszahlungen? Florian beteuert, wegen des Geldes strebe er nicht in den Finanzsektor. Ihn reizt es, große Vermögen noch größer zu machen. Boni sind je nach Erfolg gerecht, findet er: "Es hat sich natürlich ein bisschen verselbständigt, dass die Leistung, auch wenn sie nicht da war, oder nur partiell erbracht worden ist, trotzdem entlohnt worden ist." Die Zahlen, so die offizielle Schulmeinung, dürfen sich nicht verselbständigen. Sie müssen nachvollziehbare Werte abbilden. Aber Wetten auf fallende oder steigende Zinsen z.B., sagt Florian, sollte man nicht verbieten - solange sie nicht schief gehen. Dazu meint Florian Keppler: "Ob das jetzt dem volkswirtschaftlichen Sinn so dienlich ist, sinnvoll ist, weiß ich nicht...das ist natürlich auch wichtig." Banken dürfen nicht Selbstzweck werden, betont auch der Dekan Thomas Heimer. Aber sie müssen nun Mal überleben. Und dazu müssen sie innovativ sein dürfen: "Wir müssen die Studierenden noch besser darin schulen, die modernen Finanzprodukte zu verstehen. Das sind komplexe Produkte, ähnlich wie wir das beim verarbeitenden Gewerbe, bei den innovativen Automobilien haben, müssen wir auch in der Finanzwirtschaft einfach erkennen, dass die Mitarbeiter in den Banken ein höheres Know how haben müssen, um diese Gefahren dieser Produkte, die Risiken dieser Produkte auch einschätzen zu können." Nein, bei den jungen Bankern von Frankfurt ist das Verhältnis zur eigenen Art ist kaum beschädigt. Zumindest solange alles noch so glimpflich ausgeht, wie es bis heute der Fall ist.
