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Maschinenbau in Braunschweig: Gemeinsam gegen die Krise

Maschinenbau in Braunschweig: Gemeinsam gegen die Krise

Die Wirtschaftskrise hat den Maschinenbau hart getroffen - doch in Braunschweig haben die Unternehmen einen Weg gefunden, ihre Situation zumindest ein wenig zu verbessern. Ihre langjährige Kooperationsinitiative Maschinenbau KIM bewährt sich in Krisenzeiten: Sie ermöglicht den unkomplizierten Austausch von Mitarbeitern und Aufträgen zwischen den 22 Mitgliedsunternehmen. Gemeinsame Regeln wie ein striktes Abwerbeverbot sichern die Zusammenarbeit. Inzwischen wollen immer mehr Unternehmen aus der Region dabei sein, die Braunschweiger überlegen, wie die KIM erweitert werden kann. Marion Hütter hat die Kooperationsinitiative besucht. ________________________________ Braunschweig – eine alte Handelsstadt in Niedersachsen. Auch hier steigt die Arbeitslosigkeit, zuletzt auf fast 10 Prozent. Doch die Braunschweiger haben ihr eigenes Rezept gegen die Krise: Kooperation statt Konkurrenz. Seit Jahren arbeiten die Braunschweiger Unternehmen eng zusammen. Sie gründeten eine Kooperationsinitiative Maschinenbau - kurz KIM. Das bewährt sich in der Krise, sagt Jürgen Elstermann von der Kooperationsinitiative Maschinenbau: "Wir haben selbstverständlich auch bei unseren Unternehmen Auftragseinbrüche, die in Größenordnungen zwischen Minus 5 und 50 Prozent gehen, also die ganze Bandbreite spiegelt sich da ab. Wir versuchen natürlich hier auch ein Instrument anzusetzen, dass wir sagen, gut, okay, wir versuchen die Aufträge untereinander auszutauschen." Hier zum Beispiel ist die Krise noch gar nicht angekommen. Bei Zollern BHW läuft die Produktion auf Hochtouren. Der Betriebsleiter lässt seine Leute in drei Schichten arbeiten - und hängt ständig am Telefon. Das Unternehmen macht im Jahr 67 Millionen Euro Umsatz mit Lagern für Großmotoren - das Auftragspolster reicht noch weit bis ins nächste Jahr. Manchmal aber fehlen plötzlich Leute. Fällt jemand aus, holt der Betriebsleiter Ersatz bei anderen KIM-Partnerunternehmen. Rainer Kupetz von der Firma Zollern BHW dazu: "Ich melde mich bei der Firma, sage ich brauche den und den Facharbeiter, mit der und der Qualifikation, er muss die und die Maschine bedienen können und wenn der Mann vorhanden ist, dann habe ich am nächsten Morgen um 6 zur Schicht einen absoluten Facharbeiter, die Anlernzeit ist relativ kurz und das ist der Unterschied bei Leiharbeitern von anderen Firmen." Beim letzten Anruf kam Markus Müller. Der 24jährige Techniker kann computergesteuerte Fräsmaschinen bedienen. Eine gefragte Qualifikation - in Krisenzeiten allerdings nicht mehr überall, weiß Markus Müller zu berichten: "Normal wär ich in Kurzarbeit, im schlimmsten Falle villeicht komplett arbeitslos, dadurch, dass ich in der Probezeit war, als die Wirtschaftskrise gerade ihren Anfang hatte – wo wir ja eigentlich immer noch sind – wäre ich normalerweise... hätte man mich gekündigt." Denn bei Markus Müllers Arbeitgeber wenige Kilometer weiter hat die Krise bereits voll zugeschlagen. Der Umsatz ist um ein Viertel eingebrochen. Es gibt nicht mehr genug Arbeit für alle, sagt Frank Jeske von der Firma Sindermann Präsision: "Hier hat der Herrr Müller in der zweiten Schicht gearbeitet, momentan haben wir nur noch Arbeit für eine Schicht. Das ist in mehreren Bereichen so und so müssen wir zusehen, dass wir unsere Mitarbeiter im KIM-Verbund verleihen können, oder gegebenenfalls Kurzarbeit machen müssen." Und nicht nur das. Es gab auch schon die ersten Entlassungen. Nicht alle Mitarbeiter haben die passende Qualifikation und Gehaltgruppe, um verliehen zu werden. In der halbleeren Fabrik geht die Angst um, berichten die Mitarbeiter: "Ganz ohne ist die Wirtschaftskrise nicht, also es wird schon ein bisschen was auf uns zukommen." – "Man muss immer damit rechnen, dass man den nächsten Tag arbeitslos ist. Also schon angespannt." Anspannungen bei den Mitarbeitern und beim Chef - der sucht nach weiteren Möglichkeiten um zu sparen. 4000 Euro Stromrechnung im Monat - in Krisenzeiten ist das zuviel. Auch hier könnte sich die Kooperation der Braunschweiger Maschinenbauer lohnen, meint Frank Jeske: "Wir wollen zusammen mit der KIM mit 12 anderen KIM-Partnern gemeinsam versuchen, die Energie einzukaufen, um eine größere Menge Energie zu bekommen und damit einen besseren Preis. Wenn wir 500 Euro sparen könnten im Monat hilft uns das schon enorm weiter." Kooperation in schlechten wie in guten Zeiten. Die Partnerunternehmen der KIM haben schon große Pläne für die Zeit nach der Krise, sagt Jürgen Elstermann: "Das langfristige Ziel ist natürlich eine virtuelle Fabrik zu gründen. Wir haben hier die geballte Kompetenz von vielen Maschinenbauunternehmen, wenn wir mit dieser Kompetenz auf dem Markt auftreten, können wir Aufträge aquirieren auch für diesen Raum hier. Und das könnte dann zum Beispiel so aussehen, dass eine Firma aus diesem Kreis hier den Auftrag vom Kunden annimmt und dann Unteraufträge an die anderen Firmen vergibt, um dann dem Kunden ein komplettes Endprodukt anzubieten." Die Braunschweiger Mittelständler wollen auf dem Weltmarkt. Ihre Kooperation soll der alten Handelsstadt den entscheidenden Vorsprung bringen.

DW-World | April 7, 2009Watch more videos from DW-World

Tags:. .kooperation. .eng. .prozent. .zumindest. .zusammenarbeit

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