Linuxtag 2007 Messenews Im vergangenen Jahr fand er noch in Wiesbaden statt, nun fand er vom 30. Mai bis 2. Juni auf dem Messegelände Berlin statt - der Linuxtag 2007. Seit 1996 gibt es diese Veranstaltung, die sich zu einer renommierten Veranstaltung rund um das Thema Linux und freie Software entwickelt hat. Wie das diesjährige Motto “Where .com meets .org” auszudrücken versucht, richtet sich die Veranstaltung sowohl an die Linux-Community als auch an Unternehmen. Themenschwerpunkte waren unter anderem Virtualisierungslösungen und der Einstieg in die Open-Source-Szene. Im Vorfeld des Linuxtages in Berlin gab es größere Missstimmung in der Linux-Gemeinde. Hatte man doch als Schirmherr der Veranstaltung den Bundesinnenminister Wolfgang Schäuble gewonnen. Nun steht, nicht nur bei der frei denkenden Linux-Community, der Innenminister in Sachen Sympathie nicht sonderlich hoch im Kurs. Denn er will unter anderem den Einsatz des so genannten Bundestrojaners legitimieren. Also die Erlaubnis, ohne das Wissen eines Computernutzers, in den Daten „Verdächtiger“ zu schnüffeln. Nach Auskunft der Organisatoren des Linuxtages hatte man Herrn Schäuble gewählt, weil man schon seit Jahren mit dem Innenministerium intensiv zusammen arbeitet, weil gerade diese Behörde den Einsatz von freier Software fördern, gerade auch in den Ministerien. http://www.linuxtag.org Der Gedanke und die Förderung der freien Software und des freien Betriebs-Systems Linux ist ein wesentlicher Aspekt des Linuxtages. Freie Software kann für jeden Zweck genutzt oder verändert werden, auch die Weitergabe dieser Software ist ausdrücklich erlaubt. Der Sinn dahinter ist der Gemeinschaftsgedanke. Hat ein Computernutzer eine Software entwickelt, stellt er sie ins Internet und legt offen, wie er sie entwickelt hat. Somit können andere Nutzer daran partizipieren, und davon lernen. Freie Software kann in den unterschiedlichsten Bereichen eingesetzt werden. Freie Software kostet keine Lizenzgebühren, kann auch auf betagter Computerhardware eingesetzt werden, und hat viele Vorteile in Sachen der Administration. Ein sehr gutes Beispiel für den Einsatz von freier Software ist das Projekt „Skolelinux“. Eine Initiative von norwegischen Linux-Programmierern, die eine spezielle Linux-Variante (Distribution) für den Schul-Alltag heraus Beispiel in Bildungseinrichtungen. Man kann zum Beispiel Skole-Linux auf einem Server installieren, und dann eine Reihe von Thin-Clients, also festplattenlosen Rechner ohne Betriebs-System, über das Computernetzwerk booten lassen. Somit kann man in einer Schule ein kostengünstiges Netzwerk aufbauen. Auf der Skole-Linux-Distribution sind u.A. viele Lernprogramme enthalten. www.skolelinux.de http://de.wikipedia.org Linux4Afrika Den gleichen Weg der kostengünstigen Vernetzung geht das Entwicklungshilfe-Projekt „Linux4Afrika“. Eine Kooperation zwischen dem Freiburger Opensource-Netzwerk und dem St. Ursula Gymnasium Freiburg. Das Sach- und Geldspenden-Projekt hat sich auf die Fahnen geschrieben, Computer in afrikanische Schulen zu liefern. In wenigen Wochen wird ein Container mit Hardware und Netzwerk-Komponenten in Tansania eintreffen, und vor Ort in Schulen installiert. Dabei setzt man auf die vernetzte Computerarbeit. Die Planung sieht vor, dass man zum Beispiel einen leistungsfähigen PC mit einem Server-Betriebs-System, in diesem Falle Edubuntu (eine Form von Ubuntu, die für den Einsatz im Unterricht gedacht ist), installiert, und dann, per Netzwerk, bis zu 20 Clients an den Server anbindet. Um Kosten zu sparen, werden als Clients ausrangierte PC´s benutzt, die keine Festplatte und kein Betriebs-System besitzen. Schaltet man die Rechner ein, so bekommen sie über das Netzwerk ihr Betriebs-System bereit gestellt. Somit können also bis zu 20 Schüler auf einem PC arbeiten, ohne es zu merken. Alle arbeiten auf ein und demselben Server. http://www.linux4afrika.de/ LiMux Vor etwa 3 Jahren hat die Stadt München entschieden, auf knapp 14.000 Behörden-Rechnern, nicht mehr das bislang benutzte Betriebs-System Windows, sondern in Zukunft Linux zu installieren. Die Entscheidung sorgte für sehr viel Aufsehen, da dieser Schritt durchaus richtungsweisenden Charakter für andere Städte und Kommunen haben kann, respektive schon hat. Sich für das Betriebs-System Linux zu entscheiden hatte viele Gründe. Da war zum Beispiel der Wunsch, aus den von Microsoft vorgegebenen Produktzyklen auszusteigen, und sich unabhängig zu machen. Dann ist da der finanzielle Aspekt. Zwar kostet die gesamte Umstellung von Windows auf Linux über 30 Millionen Euro, aber der Einsatz von Open Source-Software erspart zukünftig die Zahlung von Lizenz-Gebühren. Mittlerweile ist ein komplettes Amt mit Linux-Rechnern versorgt, das entspricht einige hundert Rechner. Bis Jahresende sollen es rund 1000 sein. Um eine einheitliche Benutzeroberfläche zu haben, wurde ein so genannter Basis-Client konzipert. Das bedeutet, auf jedem Linux-Rechner der Stadt München die gleiche Benutzeroberfläche zu sehen sein soll, die sich auch überall gleich bedient. Die Entwickler des Limux-Projektes können ganz genau steuern, welche Software unbedingt installiert werden muss. Vor kurzem hat der Basisclient sogar ein TÜV-Zertifikat für Brauchbarkeit bekommen – übrigens der erste Linux-Client der Welt mit so einem Siegel. Ein Wikipedia-Eintrag zu Limux Infoseite zu Limux. Linux-Distribution Ubuntu So groß der Wert der Linux-Community für die Entwicklung von Linux auch ist, die Community sorgt aber auch für reichlich Verwirrung. Denn die ungeheuere Kreativität der User hat im Laufe der Zeit sehr viele verschiedene Linux-Versionen heraus gebracht. Die so genannten Distributionen unterscheiden sich in der Linuxbasis, also dem Kern des Systems, den verwendeten Softwarepaketen und der Benutzeroberfläche. Denn bei Linux ist es anders als bei Windows. Für Linux kann man sich viele verschiedene Benutzeroberflächen installieren. Ob es daran liegt, dass Ubuntu von einem Multimillionär mit Namen Mark Shuttleworth und seiner Firma Canonical finanziell unterstützt wird, wissen wir nicht. Aber Ubuntu ist im Moment die wohl populärste Linux-Disttribution. Ubuntu kommt aus der Sprache der Zulu und bedeutet Menschlichkeit und Gemeinsinn. Und irgendwie haben die freien Entwickler von Ubuntu sich diese Bedeutungen auch zu Herzen genommen. Ubuntu ist einerseits technisch sehr weit fortgeschritten, andererseits ist es selbst für Neulinge sehr einfach zu bedienen. Denn man hat Wert darauf gelegt, dass man den User nicht mit zu vielen Programmen überfordert. Deswegen ist die Auswahl klein und fein, sie genügt sicherlich den Ansprüchen von sehr vielen Nutzern. Wer mehr Programme braucht, für den gibt es in Ubuntu die einfache Möglichkeit Programme nachzuinstallieren. Ubuntu ist mit modernsten Hardware-Treibern ausgestattet, sodass es auf vielen Computern problemlos läuft. www.ubuntuusers.de Die offizielle Ubuntu-Seite Software für Linux Mit zunehmendem Interesse an dem Betriebs-System Linux gibt es auch immer mehr Softwarepakete für Linux, die selbst den professionellsten Ansprüchen genügen. Viele Softwarehersteller bieten mittlerweile auch, neben Versionen für Windows oder Mac auch Linux-Versionen an. So gibt es zum Beispiel die eindrucksvolle Erderkundungs-Software „Google-Earth“ auch für Linux zu Download. Flightgear Flugsimulator Wer einen hervorragend gemachten Flugsimulator für Linux sucht, der wird im Programm Flightgear fündig. Dieses Open Source-Projekt muss sich hinter kommerziellen, kostenpflichtigen Versionen überhaupt nicht verstecken. Die Flightgear-Community, über die ganze Welt verteilt, legt sehr viel Initiative und Können an den Tag, um viele verschiedene Flugzeuge und Szenarien zu erstellen, und diese ständig zu erweitern. Selbst im Mehrschirm-Betrieb kann man mit der Flugsimulator-Software abheben. Linux-Gamers und Glest Die Gemeinschaft der Linux-Gamers hat sich auf die Fahne geschrieben, das Thema Computerspiele auf dem Betriebs-System Linux zu fördern. Sei es mit der Schaffung von Möglichkeiten, unter Linux etwaige Windows-Spiel laufen zu lassen, oder Linux-native Spiele zu programmieren. Auf dem Linuxtag in Berlin konnte man unter anderem ein Freeware-Online-Rollenspiel mit Namen Glest. Dieses Spiel gibt es entweder als Download für Linux, oder man lädt sich eine Live-DVD des Spiels herunter. Gebrannt auf eine DVD kann man davon einen Rechner booten, und gleich in das Spiel einsteigen. Die 3D-Grafik von Glest ist wirklich sehr beeindruckend, und erinnert stark an ein kommerzielles Produkt mit Namen WOW. Also ausprobieren sollte man Glest auf jeden Fall. Jalimo (Java Linux Mobile) Luinux ist ein freies Betriebs-System und Java ist eine freie Programmiersprache. Was würde besser zusammen passen als eine Kombination aus beiden. Das Jalimo-Projekt tut dies. Jalimo ist auch eine Opensource-Software und bedeutet: Java Linux Mobile. Sie macht es möglich, unter Linux, einfach ausgedrückt, Java-Pogramme laufen zu lassen. Auf dem Linuxtag demonstrierte das Jalimo-Team die Möglichkeiten der freien Software. Auf einem Nokia-Linux-Tablet, das eigentlich zum Surfen im Internet gedacht ist, wurde Jalimo installiert. Dann wurde das mobile Linux-Gerät auf einen Lego-Mindstorm-Roboter gesetzt. Über WLAN und Bluetooth wurde dann der Lego-Roboter gesteuert. Eine schöne Form des kreativen Spiels. Jacklab Opensuse-Distribution. Auch für Musiker und Musikproduzenten gibt es professionelle Sofware unter Linux. Auf Basis der OpenSuse-Distribution, ist das Multimedia-Projekt „JackLab“ entstanden. JackLab ist ein Gemeinschafts(Community)-Projekt welches sich zum Ziel gesetzt hat, unter Linux eine leistungsfähige Auswahl an professionellen Musiker-Software-Paketen zusammen zu stellen. Zentrales Element der Software ist zum Beispiel das Tool Jack. Das ist eine Software, die die Steuerung von Audiodaten innerhalb eines Computersystems ermöglicht. Dabie gilt es, Audiodaten aller Art so schnell wie möglich zu verarbeiten. Deswegen hat man bei der Programmierung des Systems auf geringe Latenz-Zeiten geachtet. Außerdem gibt es auch Sample-Software oder Sequenzer-Software. Faszinierend ist auch die Möglichkeit, so genannte VST-Plugins zu benutzen. Das sind virtuelle Instrumente oder Effekt-Generatoren, die in das Sequenzer-programm eingebunden werden können. VST steht für Virtual Studio-Technologie und kommt von der Firma Steinberg.