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Öko-Mode: Tue Gutes und sehe gut dabei aus

Öko-Mode: Tue Gutes und sehe gut dabei aus

Öko-Mode ist dabei, die Laufstege zu erobern. Plötzlich scheint zusammen zu gehen was sich früher ausschloss: Konsum und Ethik. Mit sackförmigen Schlabberklamotten haben die Hersteller nichts zu tun. Bei Trendmarken wie dem niederländischen Jeanshersteller Kuyichi gilt: Erst kommt die Coolness, dann die Moral. Mit diesem Rezept hat sich Kuyichi sowohl in den Modeboutiquen als auch in Kaufhäusern wie der Gallerie Lafayette etablieren können. Mit Hilfe eines eingenähten Etikettes erfährt der Kunde manchmal erst zu Hause, dass er ein fair gehandeltes Produkt gekauft hat. Mittels der angegebenen Daten lässt sich im Internet nachrecherchieren, wo und unter welchen Bedingungen das Kleidungsstück gefertigt wurde. Immer mehr Kunden wollen mit gutem Gewissen konsumieren. Nach einer Untersuchung des Instituts der deutschen Wirtschaft interessiert sich bereits jeder vierte Deutsche für naturbelassene Mode. Und Deutschland ist nach den USA bereits jetzt der größte Abnehmer von Textilien aus Bio-Baumwolle. Doch die Kleidung muss "hip" sein. Kerstin Schweizer traf Ökodesigner, Öko-Kunden und besuchte ein angesagte Modenschau in Berlin. _____________________________ Hip- schick-angesagt- so präsentiert sich die Modeszene in Berlin. Die Shopper wollen den Trend in ihre Einkaufstüten packen. Schön- aber interessiert es auch jemanden, unter welchen Bedingungen Kleidung entsteht? In der Trendboutique Belleville in Mitte will die Besitzerin Fredericke Winkler nicht nur Mode verkaufen- sondern Ökologie und fairen Handel gleich mit. Deshalb hat sie neben die ganz normale Ware auch grüne Marken gehängt, die sie stolz präsentiert: "Das ist eins der Labels die ich hier verkaufe, die komplett fair trade sind. Ökologisch, fair trade produziert. Das ist ein Retro- Turnschuh aus Brasilien. Wird auch in Brasilien hergestellt. Komplett Öko. Ökogegerbtes Leder, überhaupt Ökoleder." Ob alle ihre Kunden auch Bio tragen? Auf unsere Nachfrage, was für ihn beim Klamottenkauf eine Rolle spielt, antwortet ein jungen Mann: "Für mich ausschließlich das Design. Ob es mir gut gefällt. Und es soll irgendwas verrücktes sein und nichts was 0/8/15 ist." Da hat er den Trend wohl noch nicht erkannt- denn Öko-Fashion ist jetzt in- erfahren wir auf der Modemesse Premium. Die Hersteller haben eine ganze Halle für sich. Mit von der Partie- die Marke Kuyichi. Hier hat man gelernt: Wer verkaufen will, darf mit Bio nicht argumentieren. In der Mode gelten andere Gesetze, wie im Verkaufsgespräch deutlich wird: "Die hat eine super Passform, macht einen super Hintern. Das ist immer das Wichtigste, dass die Taschen richtig positioniert sind." Wer sich beim Geschäftsführer von Kuyichi als Wollsockenträger outet, hat verspielt- Bioläden beliefert er erst gar nicht- das wäre schlecht fürs Image. Nur angesagte, junge Shops soll seine Marke präsentieren. Tony Tonnaer, Geschäftsführer Kuyichi dazu: "Das Produkt muss toll aussehen, sich gut anfühlen, eine gute Qualität haben. Und erst an zweiter Stelle kommt, dass es aus Biobaumwolle ist und fair gehandelt wurde. Erst kommt die Coolness, dann die Moral. So gehen wir da ran." Und die Kunden beißen an. Eine Jeans kann bis zu 300 Euro kosten. Kein Problem, so Tony Tonnaer, denn: "Es gibt einen großen Bewusstseinswandel, bei den Händlern und den Konsumenten. Die Menschen interessieren sich dafür, was sie kaufen. Sie informieren sich, sie wissen mehr und sie sind kritischer geworden." Für Transparenz und Kontrolle bei der Herstellung- dafür setzt sich die Organisation "Made-by" ein. Ein Fünftel der weltweit verwendeten Spritzmittel werden auf Baumwollfeldern versprüht, sagen sie. Oft zum Schaden der Landarbeiter. Und auch die Bedingungen in den Fabriken seien häufig inakzeptabel. Ein Herstellungsnachweis soll für mehr Kontrolle sorgen. Ulrich van Gemmeren von Made-By erklärt: "In jedem Kleidungsstück ist ein Label eingenäht, auf dem ein Code ist. Diesen Code können Sie auf unserer Homepage in das Truck und Trace Systhem eingeben. Und damit die Spur des Kleidungsstücks vom Baumwollfarmer über die Näherei bis in den Shop nachvollziehen." Von der Boutique bis zum Hersteller: Unternehmen die hier mitmachen und sich zertifizieren lassen hoffen auf ein besseres Image und mehr Aufträge. Obwohl "Made-by" gerade erst startet machen schon 24 Modefirmen mit- darunter auch die Desingnzentrale des Einzelhandelsriesen Karstatt-Quelle. Wird Öko-Fashion also der nächste Mode-Mega-Trend? Das Vorzeigekaufhaus Galerie Lafayette hat sich schon mal eine grüne Fassade verpasst. Und wer shoppinghungrig den Konsumtempel betritt findet neben all den anderen Big Playern neuerdings auch die ökologisch korrekte Marke Kuyichi- wenn auch im Moment noch ganz hinten, am Katzentisch.

DW-World | July 29, 2008Watch more videos from DW-World

Tags:. .handel. .gesetze. .sorgen. .scheint. .leder

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