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Keine Kredite mehr - die Finanzkrise trifft die deutsche Wirtschaft

Keine Kredite mehr - die Finanzkrise trifft die deutsche Wirtschaft

Ein Opfer der Finanzkrise sitzt in der ostfriesischen Hafenstadt Emden: Die traditionsreiche Cassens-Werft musste Insolvenz anmelden, weil die Hausbank alle Kredite kündigte - ein Schock für Mitarbeiter und Region. Dabei waren die Bücher mit Aufträgen im Wert von 226 Millionen Euro gut gefüllt, die mittelständische Werft baute gerade ein neues Containerschiff. Doch plötzlich wackelte die Finanzierung beim Kunden, der deutsche Reeder konnte das fast fertige Schiff nicht mehr bezahlen. Früher sprang da die Bank ein, sagt Geschäftsführer Hohagen, heute ist er pleite, weil in der Finanzkrise die Banken Risiken scheuen und den Geldhahn zu drehen. Die Finanzkrise schlägt sich bei den deutschen Schiffbauern nieder. Die Emdener reagieren verunsichert. Carmen Meyer war in der westlichsten Hafenstadt Deutschlands unterwegs. -------------------------------------------------------------- Nagelneu und knapp 130 Meter lang. Eigentlich sollten sie stolz sein, doch hier hochzusteigen, fällt den Geschäftsführern der Cassens Werft schwer. Monatelang haben sie hier in Emden das Containerschiff gebaut, und jetzt ist der Auftraggeber abgesprungen. Wie üblich in der Branche, haben sie die Baukosten mit Hilfe von Krediten komplett vorfinanziert, und früher war das auch nie ein Problem. Christian Hohagen ist einer der Geschäftsführer der Cassens-Werft. Er sagt: "Wir sind hier deswegen Opfer geworden der Finanzkrise geworden, weil dieses Schiff, einige Wochen vor der Ablieferung, uns der Reeder mitgeteilt hat, dass er es nicht bezahlen kann, und darauf hin unsere Hausbank unsere Kredite komplett gekündigt hat" Weder die Bank des Kunden noch ihre eigene Hausbank standen für eine Notfinanzierung bereit. Die Folge: die neue Angst der Banken zwang die kleine Werft in die Knie – und in das Insolvenzverfahren. Ein Schock, vor allem für die 90 Mitarbeiter. Zurzeit hält sich die Traditionswerft noch mit Reparaturarbeiten über Wasser. Doch das allein sichert nicht die Arbeitsplätze. Die Geschäftsführer suchen jetzt händeringend nach einem neuen Investor, ein harter Job, mitten in der Finanzkrise. Hermann Kienitz, der zweite der beiden Geschäftsführer der Werft: "Bauchschmerzen können wir uns nicht leisten und wenn wir welche haben nehmen wir eine Pille dafür, wir können nicht mit hängendem Gesicht, hängenden Schultern laufen, wir haben eine gemeinsame Verantwortung, wir sind 17, 15 Jahre gemeinsam auf der Werft, wir sind mit den Mitarbeitern verwachsen, kennen jeden persönlich, kennen die Familienverhältnisse und versuchen, gemeinsam nach vorne zu schauen. " Hier in Emden leben die Menschen von der maritimen Industrie. Im westlichsten Hafen Deutschlands stehen neben der mitelständischen Cassens-Werft die großen Nordseewerke. Hier ist vor allem der Bund mit seinen Marineschiffen ein guter Kunde, da ist die Finanzierung sicher. Doch wenn der Export noch weiter einbricht, wird es für die Region schwierig. Da können die milliardenschweren Rettungspakete der Regierung nur schwer beruhigen. Das sieht auch Kapitän Flessner so: "Die Regierung bemüht sich ja, das beste draus zu machen, aber man lebt mit ein bisschen Angst so, weil man nicht weiß, wo das ganze hinführt" Es geht um Vertrauen, Vertrauen zu den Banken, aber das fällt in diesen Tagen nicht nur den kühlen Norddeutschen schwer.Vor dem Einkaufscenter hat sich die Gewerkschaft aufgebaut. Michael Hehemann von der IG Metall demonatriert hier mit seinen Kollegen für mehr Lohn. Gerade in der Krise brauchen die Leute mehr Geld in der Tasche, meint er, doch das sehen die Arbeitgeber zurzeit ganz anders. Michael Hehemann von der IG Metall Emden: "Die Finanzkrise muss für alles herhalten, was den Betrieb ins Schlingern bringt, auch wenn es schon vorher abzusehen war, und gerade bei uns in den Tarifverhandlungen, die IG Metall stellt die höchste Forderung seit 16 Jahren, 8%, da wird gerade so argumentiert, dass das der Sargnagel ist, der dann noch dazu führt das noch mehr Betriebe ins Schlingern geraten werden." Die Geschäftsführer der Cassens-Werft konnten Kündigungen bis jetzt verhindern. Ob sie das weiter durchhalten, hängt von den nächsten Wochen ab. Vielleicht helfen ja die Rettungspakete, und sie finden einen mutigen Investor.

DW-World | October 14, 2008Watch more videos from DW-World

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