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Interviewgast: Udo Steffens

Interviewgast: Udo Steffens

Steffens ist Präsident der Frankfurt School of Finance & Management. DW-TV: Ich habe mich zusammen mit Udo Steffens, dem Präsident der Frankfurt School of Finance & Management zwischen Bulle und Bär aufgestellt, wobei, Herr Steffens, im Moment, glaube ich, der Bär das Sagen hat. Er steht für die Baisse, also für das Abwärts. Herr Steffens, wie wichtig waren diese Konjunkturprogramme, ist das ein Fass ohne Boden? Udo Steffens: Ich glaube, es war extrem wichtig, natürlich sind die Summen die dort der Staat zur Verfügung stellt enorm hoch. Ich glaube nicht, dass es ein Fass ohne Boden ist, sondern diese Summen haben oft auch nur Garantiecharakter durch symbolischen Charakter, sprich die Regierungen zeigen mit welchen Waffen sie quasi schießen werden, wenn die Märkte nicht geordnet zurück kehren. Das heißt also, hier ist auch viel Symbolik und Psychologie mit im Spiel. DW-TV: Aber ohne diese Programme wäre es nicht gegangen? Udo Steffens: Ich glaube nicht, weil die extrem gut miteinander verbundenen internationalen Finanzsysteme hier und da chaotisch reagieren. D.h., wenn ein Baustein ins Rutschen gerät, weiß man eigentlich gar nicht genau was passiert bei den Kunden, bei den verschiedenen Finanzsystemen, so dass man hier auch vorsorglich gehandelt hat und sagt, wir müssen Vertrauen schaffen, wir müssen auf alle Fälle das System stabilisieren. DW-TV: Weil Sie gerade sagen ‚chaotisch‘: Da soll ja jetzt mehr Transparenz mehr Kontrolle rein, deswegen trifft man sich in London zum G20 Gipfel. Wie gut sind denn die Deutschen Regeln für den Finanzmarkt? Udo Steffens: Ich glaube, die Deutschen sind insgesamt gut aufgestellt, sie erweisen sich als relativ stabil bislang, wir wollen da unsere, wenn Sie so wollen, Daumen gedrückt halten, und die Deutschen werden hier ganz konkrete Vorschläge machen, die insbesondere auch damit zusammen hängen, die Komplexität aus dem Finanzsystem herauszunehmen. Ein Vorschlag aus Deutschland ist ganz konkret, eine internationale Risiko-Landkarte zu schaffen. Ich glaube, das sind gute und ziemlich konkrete Vorschläge. DW-TV: Wer soll das ganze denn kontrollieren in Zukunft? Udo Steffens: Ich glaube, einerseits wird es zu einer höheren europäischen Evidenz kommen, es wird zu mehr Klarheit auf der Europäischen Kommissions-Ebene führen - bei Erhalt der Autonomie der nationalen Aufsichten. Das wird ein Zwischenschritt sein und international sehen wir doch eine nachhaltige Stärkung des Internationalen Währungsfonds. Ich glaube, es ist ein Schritt in die richtige Richtung. DW-TV: Glauben Sie denn, dass sich die 20 Staaten, die 19 Staaten plus einige europäische Kommissare, tatsächlich einigen werden auf einem G 20 Gipfel, dass man das alles unter einen Hut bekommt? Udo Steffens: Nein, man wird sich natürlich nicht einigen. Man sollte vorsichtig sein, dass man nicht bei dieser Gelegenheit noch alle anderen Weltprobleme mitlösen will. Man soll sich jetzt wirklich konzentrieren auf das Schaffen einer neuen Finanzarchitektur. Man muss auch schauen, dass diese System-Konflikte, Vorschlag der Chinesen, eine neue Leitwährung einzuführen, natürlich ein Frontalangriff auf die Amerikaner ist. das sollte man bei dieser Gelegenheit nicht auch noch ausfechten, das kann man auf später vertagen. Zunächst steht im Vordergrund die Stabilisierung, das Wiederschaffen von Vertrauen, damit die Märkte wieder anfangen, Tritt zu fassen. Das ist, glaube ich, ganz einfach das Gebot der Stunde. DW-TV: Welche Rolle wird der Protektionismus spielen in diesem Zusammenhang? Udo Steffens: Also, das ist sicherlich eine ganz, ganz schwierige Fragestellung. Gerade wir Deutschen -bei allen auch hier und da existierenden nationalen Gefühlen- sollten sehr behutsam sein, denn wir leben von offenen Märkten und wir müssen auch in offene Märkte investieren, denn unsere Wohlfahrt ist zum größten Teil eben auch dieser Globalisierung, und dieser außenwirtschaftlichen Orientierung geschuldet. Von daher, gerade wir deutschen sollten sehr vorsichtig sein und alles dagegen tun, dass Protektionismus wieder einkehrt. Denn dann wird unser Wohlfahrt nachhaltig insbesondere Deutschland gefährdet sein. DW-TV: Herr Steffens, eine ganz persönliche Frage zum Schluss, welche Lehren haben Sie denn aus dieser Krise gezogen? Udo Steffens: Aus dieser Finanzmarktkrise kann man schon lernen, dass eben die Bäume nicht in den Himmel wachsen, es kehrt eine neue Bescheidenheit ein und dass die hohe Komplexität letztlich viele verführt hat doch Risiken einzugehen, die sie letztlich nicht beherrscht haben. Das heißt, wir müssen den Faden wieder aufnehmen und abspulen und zu einer etwas größeren, einfacheren Wirtschaft-Struktur kommen, insbesondere in den Finanzsystemen. Und wir müssen sicherlich so etwas wie Finanzinnovationsfolgeabschätzung durchführen, d.h. man muss die Frage stellen, welche sozialen Effekte hat eigentlich die Finanzinnovation und wer profitiert davon, diese Fragen muss man sich sicherlich vermehrt stellen. (Interview: Anja Heyde)

DW-World | March 31, 2009Watch more videos from DW-World

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