
Zu den Entwicklungen auf dem Automarkt sprechen wir mit unserem Studiogast Andreas Bremer. Er ist Leiter des Instituts für Automobilmarktforschung in Essen. DW-TV: Herr Bremer, so ein Lamborghini – wäre das Ihr Auto? Andreas Bremer: Also ich gebe zu, ich würde ihn gerne mal fahren. Ich hab da bisher nur mal auf einer Messe drin gesessen. Aber nein, so als Familienauto, glaub ich, taugt er dann doch nicht. DW-TV: Verbraucht zu viel oder woran liegt´s? Andreas Bremer: Er kostet zu viel, verbraucht zu viel, die Nachbarn würden es auch nicht toll finden, denke ich... DW-TV: ...weil er so laut ist? Andreas Bremer: Ja. DW-TV: Lamborghini ist nun mal "Faszination Auto", wie man es kennt, aber stattdessen sollte man eher das Geld in – sag ich mal – alternative Antriebe gesteckt haben. Was ist da passiert in den letzten Monaten? Andreas Bremer: Ich denke schon, dass ein Umdenken stattfindet. Wir sehen es ja auch: Unsere Premium- Hersteller hier in Deutschland erweitern ihr Spektrum immer weiter nach unten. Es werden neue kleine Fahrzeuge, als Studien zumindest, auf der IAA schon zu sehen sein. Wir rechnen damit, dass die in zwei bis vier Jahren tatsächlich auch auf dem Markt sein werden. Kleine Revolution: ein BMW mit Frontantrieb soll auf den Markt kommen. Also ich denke schon, dass sich was getan hat, dass in den Konzernen auch umgedacht wird. DW-TV: Die IAA – die internationale Automobilausstellung in Frankfurt am Main – beginnt am 17. September. Sie haben es gerade schon angesprochen. Aber so richtig gut sieht es ja auf dem Automarkt nicht aus. Wir haben mal eine Grafik vorbereitet: In 2008 wurden 18 Millionen Autos verkauft. Anhand dessen gibt es eine Prognose, wie sich der Automarkt entwickeln könnte: 2009 werden trotz Umweltprämie 13 Prozent weniger Autos verkauft als 2008 - und 2010 sind es sogar fast 17 Prozent weniger. Erst 2013 geht es dann wieder bergauf. Das sieht nicht wirklich rosig aus. Andreas Bremer: In der Tat. Nein, es sieht nicht rosig aus und es wird auch sicherlich in 2010 nicht rosig werden. Die Abwrackprämie hat das getan, was sie tun sollte: Sie hat uns ein bisschen Zeit verschafft, bzw. den Herstellern und den Händlern Zeit verschafft, die sie hoffentlich auch gut genutzt haben in ihren Entwicklungsabteilungen. Die Händler haben die Möglichkeit gehabt, ihre Halden abzubauen und damit im Prinzip Verluste zu minimieren, denn das ist ja totes Kapital, was da rumgestanden hat. Das ist abgebaut worden. DW-TV: Es gibt Stimmen, die sagen, die Abwrackprämie, also diese Subvention von 2500 Euro für ein neues Auto, hat eigentlich nur das Sterben verlängert und ab nächstem Jahr sollen dann bis zu 90.000 Arbeitsplätze abgebaut werden. Andreas Bremer: Gut, die Gefahr ist theoretisch sicherlich da. Ich bin aber verhaltener pessimistisch. Ich will nicht sagen optimistisch, aber verhaltener pessimistisch . Ich denke nicht, dass es ganz so krass kommen wird. In der Tat werden wir sicherlich sehen, dass 2010 ein extrem schwieriges Jahr wird. Ich hoffe aber, dass Hersteller und Händler auch enger zusammen arbeiten werden und sich auch im Bereich der Fahrzeugfinanzierung neue Konzepte, neue Ideen auftun, damit Fahrzeuge nicht mehr nur verramscht werden. DW-TV: Ich höre nicht nur verhaltenen Pessimismus, ich höre auch verhaltenen Optimismus. Vielen Dank Andreas Bremer vom Institut für Automobilmarktforschung in Essen. (Interview Anja Heyde)
