
Die grüne Welle im Transportgewerbe rollt – den hohen Spritpreisen sei Dank. Weil Diesel immer teurer wird, lohnen sich sparsame und umweltschonende Antriebe immer mehr, trotz aufwändiger und teuer Technik. Die Hersteller setzen voll auf diesen Trend. MAN zeigt auf der diesjährigen IAA für Nutzfahrzeuge in Hannover seinen ersten Hybrid-LKW, Daimler präsentiert gar elf Fahrzeuge mit alternativen Antrieben, darunter drei Weltpremieren der Marke Mercedes-Benz. Einige der Fahrzeuge sind bereits in Kundenhand. In der Londoner Innenstadt sind versuchsweise zehn 12-Tonner mit einem kombinierten Elekro-Diesel-Motor von Daimler unterwegs. Kraftstoff-Ersparnis: bis zu 15 Prozent. Doch rechnet sich die teure Technik im Alltagsbetrieb? Arne Hasberg lässt sich von den Herstellern ihre High-Tech- Laster vorführen und fragt Spediteure, ob und wann für sie eine Anschaffung in Frage kommt. --------------------------------------------------------- Bernd Oehlmannn ist Einkaufschef einer großen Spedition. Fünf Millionen Euro gibt er jährlich für neue Motoren, Zugmaschinen und Anhänger aus. Und weil der Diesel-Preis immer weiter steigt, braucht er schnell sparsamere Lastwagen: "Ich suche auf der Messe LKW, die möglichst viel mitnehmen können, möglichst wenig verbrauchen und möglichst umweltfreundlich sind." Und deshalb interessiert ihn auch der Hybrid-Antrieb. Erste Station: MAN. Bernd Oehlmann erfährt, dass MAN fünf Jahre lang an der Entwicklung eines solchen Misch-Antriebs aus Verbrennungs- und Elektromotor gearbeitet hat. Bis zu 20 Prozent Diesel lassen sich, so MAN, mit der Hybrid-Lösung einsparen, Test-Fahrten hätten dies bewiesen. Bernd Oehlmann ist noch skeptisch: "Wie ist das vom Fahrverhalten? Merkt man das eigentlich, wenn umgeschaltet wird von Elektro auf Diesel?" Eberhard Hipp, Chef Vorentwicklung MAN ist von der Technik überzeugt: "Das Fahrverhalten ist bei den Fahrern sehr beliebt. Weil insbesondere der Elektromodus zum Anfahren ein sehr kontinuierliches Hochbeschleunigen erlaubt, und Schaltrucke in dem Sinne gibt es eigentlich überhaupt nicht mehr." Erst in ein oder zwei Jahren will MAN den Hybrid-Antrieb auf den Markt bringen, und er soll rund 20.000 Euro mehr kosten. Eine Zukunftstechnologie, darin sind sich die Fachbesucher einig. Besonders geeignet für LKW im städtischen Lieferverkehr. Und natürlich arbeitet auch Mercedes-Benz, der größte Nutzfahrzeughersteller, am Hybrid. Für Spediteure wie Bernd Oehlmann ist wichtig, dass der Hybrid-Antrieb in der Praxis reibungslos funktioniert: "Kann man schon sagen, wann man ein solches Fahrzeug kaufen kann?" Martin Braess aus der Vorentwicklung für Alternative Antriebe bei Mercedes-Benz: "Wir nehmen die Fahrzeuge jetzt in den Test. Ich kann da leider jetzt nicht sagen, wann das tatsächlich auf der Straße verfügbar ist." Mal sehen, was Scania sagt. Station Nummer drei für Bernd Oehlmann. Hier verweisen die Verkäufer zunächst auf ihre mit Ethanol, also Bio-Sprit, betriebenen LKW. Und versprechen auch eine Ersparnis von 20 Prozent. In Schweden würden schon seit Ender der 80er Jahre Busse mit diesem Antrieb fahren. Aber Einkaufsleiter Oehlmann interessiert sich für die Hybrid-Technik: "Die meisten Hersteller auf der Messe bieten ja Hybrid-Fahrzeuge an sowohl im kleinen als auch im großen Bereich. Wie sieht das bei Scania aus? Bieten Sie auch Hybrid-Technologie-Lösungen an?" Bernd Hoche von Scania-LKW: "Wir arbeiten mit Hybrid. Wir haben auch mehrere Feldtestfahrzeuge in dem Bereich laufen. Aber wir bieten's jetzt aktuell auf der Messe nicht an, weil die Hybrid-Technologie im LKW-Bereich noch nicht so weit ist." Rund 100.000 Euro gibt Bernd Oehlmann im Schnitt für einen LKW aus. Mit einem Hybrid-Antrieb wäre er, nach jetzigem Stand 20.000 bis 40.000 Euro teurer. Was ist also sein Resümee nach dem Messerundgang? Bernd Oehlmann: "Positiv fand ich, dass alle LKW-Hersteller an neuen Motoren-Technologien arbeiten, die letztendlich Kraftstoff sparen sollen. Es gab sehr viel Hybrid-Motoren, leider noch nicht serienfähig und also für uns nicht kaufbar."
