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Husum – Welthauptstadt des Windes

Husum – Welthauptstadt des Windes

Wenn am 09.09.2008 in Husum die Messe "HusumWind" beginnt, wird die nordfriesische Kleinstadt wieder ganz offiziell zur "Welthauptstadt des Windes". Aber auch jenseits der internationalen Messe dreht sich in Husum und seiner Umgebung alles um die Windenergie. Mehr als 40 Prozent der Gewerbesteuer in Nordfriesland stammen aus dem Geschäft mit dem Wind. Nicht nur Branchenriesen wie der Windkraftanlagenbauer Vestas haben sich in Husum angesiedelt. Wenn neue Anlagen entstehen, sind Windpark-Planer wie die örtliche "Windkraft Nord AG" gesuchte Spezialisten. Und auch das Wartungs- und Serviceunternehmen "Energy Consult" profitiert: Die bis zu 130 Meter hohen Windmühlen in der Region müssen schließlich regelmäßig kontrolliert werden. Die speziellen Mechaniker werden aber mit anhaltendem Windkraft-Boom immer begehrter. Zum Glück, freut sich das Husumer "Bildungszentrum für Erneuerbare Energien". Das Unternehmen bildet nämlich Servicetechniker für Windkraftanlagen aus: Immer mehr Schüler kommen nach Husum, auch aus dem Ausland! Eine Reportage über die Husumer und ihre "windigen" Geschäfte von Grit Hofmann . ___________________________________________________________ Windstärke 5 - eine frische Brise im Windpark kurz vor Husum. Bis zu viermal am Tag geht es 200 Sprossen nach oben. Olaf Dau-Schmidt und Henning Friedrichsen sind Service-Mechaniker für Windkraft-Anlagen. Ihr Arbeitsplatz liegt heute in 70 Meter Höhe, manchmal geht es auf über 100 Meter. Bei gutem Wetter können sie von hier aus sogar die Nordsee sehen. Henning Friedrichsen von der Firma Energy Consult: "Wenn man das vier mal am Tag macht, braucht man bei der vierten Mühle nicht mehr rauszugucken. Trotz der Routine ist es aber immer wieder schön die Landschaft zu sehen. Manche würden dafür Geld bezahlen, für uns ist es ein Job." Ihr Unternehmen bekommt die Aufträge von den Besitzern der Wind-Anlagen. Die Mechaniker überprüfen regelmäßig die komplette Technik - bevor die Anlagen ausfallen und keinen Strom mehr produzieren. Olaf Dau-Schmidt, Servicemechaniker: "Wir können die Maschine bremsen, wir können diverse Lüftermotoren ansteuern, können das Maschinenhaus in den Wind drehen, um akustische Kontrollen durchzuführen." Windstärken von 1 bis 12 - irgendwie weht und pustet es immer in Nordfriesland. Der Wind ist hier Wirtschaftskraft! Fast 50% der Gewerbesteuer stammen aus Geschäften rund um die Windenergie. Eine schwache Brise auch im Hafen von Husum. Mit nur 22 Tausend Einwohnern ist es die größte Stadt Nordfrieslands. Sie nennt sich selbst "Welthauptstadt des Windes". Auch weil viele Unternehmen hier vom Wind leben. Im Büro der "Windkraft Nord" werden neue Windkraftanlagen geplant: Fundamente, Höhe, aber auch die Finanzierung. Ein durchschnittlicher Windpark mit 10 Anlagen kostet etwa 35 Mio. Euro. Für die Großprojekte arbeiten die Planer mit anderen Husumer Unternehmen zusammen. Martinus Scherweit, Vorstand Windkraft Nord AG: "Das geht über die Leute, die uns das Catering machen bis zu den Leuten, die uns Kabel liefern, alle kommen aus der Region. Von daher gibt es ganz enge Verflechtungen. Wenn Sie von Unternehmen reden, die indirekt am Windgeschäft partizipieren, würde ich sagen, gibt es nur wenige Unternehmen in Husum, die es nicht tun. Windstärke 3 - erst dann lohnt sich das Geschäft des Windanlagen-Bauers Vestas. Der Branchenführer aus Dänemark hat in Husum seine Europazentrale und das Lager für die Servicemitarbeiter. Schon in den 80er Jahren kam Vestas nach Husum, als erste Bauern hier eigene Windanlagen aufstellten. Heute bringt der deutsche Wind eine Milliarde Euro Umsatz. Nur die Leute fehlen. Andreas Eichler, Mitglied der Geschäftsleitung bei Vestas: "Wir versuchen Akademiker, Ingenieure und Leute aus dem kaufmännischen Bereichen hier hoch zu bekommen - sie dafür zu begeistern. Die Fachkräfte, die im Süden leben sagen: nee, Norddeutschland, da ist nicht genug los!" Von den Personal-Sorgen der Branche profitiert ein privates Bildungszentrum in Husum: eine Schule für Service-Monteure. Die Anfänger müssen heute auf den Übungsturm. Zeigen, dass sie schwindelfrei sind. Schon mehr als 1000 Service-Mechaniker hat die Schule ausgebildet. Die Schüler sind Mechaniker, die hier eine Zusatzausbildung machen. In 6 Monaten wird der Nachwuchs selbst auf Windanlagen arbeiten. Weltweit. Nils Peters, Geschäftsführer des "Bildungszentrums für erneuerbare Energien": Für die ganzen jungen Leute, die da jetzt in diese Branche gehen, die haben alle einen gesicherten Arbeitsplatz - wir natürlich auch!" Gute Aussichten also, auch weil die Zertifikate international anerkannt sind. Und da die Windenergie überall boomt, reisen die Ausbilder inzwischen in die ganze Welt. Von Husum aus - nach Kanada, in die USA oder sogar nach China.

DW-World | September 9, 2008Watch more videos from DW-World

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