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Frankreichs Wirtschaft – Vor der EU-Ratspräsidentschaft

Frankreichs Wirtschaft – Vor der EU-Ratspräsidentschaft

Am 1. Juli übernimmt Frankreich die Ratspräsidentschaft der EU. Dann wird Präsident Sarkozy die europäische Politik für die nächsten sechs Monate bestimmen. Doch auch im eigenen Land gibt es einiges zu tun. Die kleine Stadt Domfront in der Normandie ist ein Spiegel der großen französischen Wirtschaft. Die Menschen hier müssen immer mehr bezahlen, um ihren Lebensunterhalt zu bestreiten. Innerhalb eines Jahres stiegen die Verbraucherpreise in Frankreich um 3,4% – höher als der EU-Durchschnitt. Auch der Chef der örtlichen Keksfabrik musste einiges einstecken als die 35-Stunden-Woche eingeführt wurde. Er braucht jetzt mehr Leute und die kosten Geld. Unsere Reporterin Grit Hofmann hat sich auf den Weg nach Domfront gemacht. ------------------------------------------------------------ Kuh und Apfelbaum - die Wahrzeichen der Normandie. Hier liegt das Städtchen Domfront. 4.000-Seelen, ein historischer Flecken zwischen Paris und dem Ärmelkanal. Wer aber glaubt, hier seien die Probleme Frankreichs weit weg, irrt sich. Denn in der Provinz sind die oft schwerer zu lösen als in der Hauptstadt. Das weiß auch Gérard Lebaudy, der Chef der örtlichen Keksfabrik. In dem Familienbetrieb werden jede Stunde 150.000 Kekse gebacken. Vom Traditionsgebäck bis zum Diat-Keks. Damit macht Lebaudy jährlich 20 Mio. Euro Umsatz. Der Export ins Ausland aber wird immer schwieriger: "Der Euro macht die Dinge sehr schwierig. Vor allem in Südostasien mit dem Yen und in Nord-Amerika mit dem Dollar. Seit zwei Jahren sind wir in diesem beiden Märkten unterwegs. Doch trotz unserer Mühen in Japan entwickeln wir uns dort nicht viel weiter. In den USA geht es gerade etwas aufwärts." Auch in Europa mussten die Kekse teurer werden. Weil die Kosten für Getreide und Milchprodukte stiegen. Der Mittelständler Lebaudy hat dabei nicht so viel Spielraum wie die großen Lebensmittelkonzerne. Und das nachdem er vor wenigen Jahren ein noch größeres Problem lösen musste: die sozialistische Regierung setzte durch, dass alle Franzosen nur noch 35 Stunden pro Woche arbeiten. Für Lebaudy ein Problem: "35 Stunden bei gleichem Gehalt. Das brachte uns Unternehmern auf einmal Mehrkosten von 10%. Um diese Kosten zu verringern, haben WIR einen Vertrag gemacht, der die Arbeitszeit aufs Jahr verteilt. Um so mehr Flexibilität zu erreichen." Tatsächlich 35 Stunden arbeitet hier aber niemand. Stattdessen sind es 39. Die vier Überstunden werden angespart für Freizeit. Christèle Génissel arbeite in der Keksfabrik: "Wenn man eine Familie und Kinder hat, ist es einfacher etwa Arzttermine zu besuchen. Und wir haben fünf Wochen Urlaub. Wenn man anspart, kann man eine Woche mehr nehmen." Der Gewerkschaftsvertreter von Domfront hält nichts von Überstunden. Die Unternehmen sollten mehr Leute einstellen, fordert er, und nicht die 35-Stunden-Woche mit Überstunden aufweichen: "In den meisten Fällen sind die Angestellten doch gezwungen, die Überstunden zu machen. Klar bringt das mehr Jahresurlaub, aber die Leute müssen doch selbst entscheiden dürfen, ob Überstunden oder nicht. Meist zwingt man sie ihnen auf, wenn es viel Arbeit gibt. Und den Urlaub können sie nehmen, wenn es weniger Arbeit gibt." Feierabend in der Keksfabrik. Zumindest für Erika Leblanc. Mit Freundin Catherine will sie heute bummeln gehen. Sie haben auf den Schlussverkauf gewartet, um Geld zu sparen. Denn das Leben ist teurer geworden in Frankreich. Allein im letzten Jahr stiegen die Verbraucherpreise um 3,3%. Die schwindende Kaufkraft empfinden die Franzosen als größtes Problem. Erika kauft nur noch wenig in den großen Supermärkten, das meiste dagegen in Discountern. Noch vor wenigen Jahren war das undenkbar für Franzosen der Mittelschicht: "Es gibt Dinge, die man heute als ein Extra bewertet, eigentlich überflüssig. Zum Beispiel letztens, da wollte ich ein kleines Stück Rauchwurst kaufen. Die kostete 5,35 Euro, ein ganz kleines Stück. Ich habe sie zurückgelegt und eine anderes Produkt dafür genommen." In der Einkaufstasche von heute stecken 80 Euro, früher füllte sie damit den ganzen Wagen. Und an der Tankstelle zahlen die Franzosen für einen Liter Diesel bereits 1,40 Euro. Das tut weh, vor allem in Provinz. Erika Leblanc versucht jetzt weniger Auto zu fahren: "Dort, wo ich wohne, fahren nicht mal Busse. Der nächste Bahnhof für einen Zug ist 40 km entfernt. Wenn man also kein Auto hat, heißt das keine Arbeit, kein Fortkommen. Hier auf dem Land ist man einfach gezwungen, Auto zu fahren." So wie Erika Leblanc geht es vielen Franzosen. Noch sind die Einschränkungen erträglich. Aber die steigenden Preise lassen sie befürchten, dass sie ihren Lebensstandard auf Dauer nicht halten können.

DW-World | July 1, 2008Watch more videos from DW-World

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