
Erst jüngst befragte das Marktforschungsinstitut GfK die deutschen Verbraucher und berichtet von verhaltener Kauflaune. Größere Anschaffungen werden verschoben oder gar ganz aufgegeben. Was ist wirklich dran an der sinkenden Kauflust der Verbraucher? Dieser Frage sind wir in der Kölner Schildergasse, der meistfrequentierten Einkaufsmeile Deutschlands, nachgegangen. Fast 13.000 Menschen passieren die Straße pro Stunde. Damit liegt die Einkaufsmeile nicht nur in Deutschland auf dem ersten Platz, sondern ist sogar Europameister, noch vor der Oxford Street in London. Kleidung, Schuhe, Bücher – es sind Einzelhandelsketten wie Peek & Cloppenburg, Deichmann oder H&M, die ihr Geschäft in der Schildergasse machen. Und auch einige Einzelhändler überleben trotz der teuren Mieten. Einen Tag lang beobachtet Mabel Gundlach für MADE IN GERMANY das Treiben in der Schildergasse, fragte Verbraucher und Händler: Was ist dran am angeblichen Konsumfrust? ---------------------------------------------------------- 09:00 Uhr. Die Schildergasse im Zentrum von Köln wird langsam wach. Die Schildergasse ist die meist-frequentierte Einkaufsmeile in Deutschland und sogar in Europa. Doch der Reihe nach. Im Traditionscafe Riese sitzen die ersten Gäste und warten, dass die Geschäfte aufmachen. Wir wollen wissen: Wie sieht es aus mit der Kauflaune? Eine Kundin: "Ich wollte mir gerne eine schöne Weste holen und dann vergleiche ich auch schon mal die Geschäfte, also ich gucke mal hier und da. Und auch wenn wir wieder zurücklaufen müssen, das macht mir gar nichts." Im Café ist das Geschäft im vollen Gange. Brot und Brötchen – daran sparen die Leute nicht. Sollte man meinen. Wir fragen die Verkäuferin, die seit zwanzig Jahren hier arbeitet: "Die Leute fragen mehr nach den Preisen, was sie früher nicht gemacht haben. Und es wird auch schon etwas weniger gekauft. Das merkt man schon." Die Schildergasse gibt es schon seit römischen Zeiten. Im Mittelalter lebten hier die Schilderer: Handwerker, die Wappen bemalten. Heute bestimmen die Firmenschilder das Straßenbild. Eine moderne Konsummeile. 12:00 Uhr. Im Schuhgeschäft wird es immer voller. Eine Schülerin ist zu Besuch bei ihren Großeltern. Warum kauft sie hier ein? "Na weil hier alles super beisammen ist, also alles nebeneinander. Sind auch super schöne Läden dabei." Reicht das Geld? "Na ja, manchmal müssen halt Oma und Opa nachhelfen." 40 Euro für ein Paar Schuhe. Das belastet das schmaler gewordene Budget einer anderen Kundin. Für sich selbst kaufe sie nur wenig – alles fürs Kind: "Die Sachen wo man Wert drauflegt, wie Markenschuhe, das muss stimmen. Da kann man an der Kleidung sparen, die wachsen eh alle paar Monate wieder raus." 13:00 Uhr. Straßenmusiker wissen, wann es sich lohnt hier zu spielen. Ohne Unterbrechung bieten sie ihrem Publikum eine Erholungspause vom Einkaufsmarathon. Einzelhändler gibt es in der Straße nur wenige. Die Mieten sind teuer. Vor allem die großen Ketten machen das Geschäft. Vor drei Jahren hat ein Bekleidungshändler sein Haus eröffnet. Ein Interview bekommen wir nicht. Aber die Geschäftsführung sei sehr zufrieden mit den Umsätzen. Und von einer sinkenden Kauflaune, von der alle reden, sei nichts zu spüren. Entspanntes Stöbern bei den Kunden. Sieht mehr nach Konsumlaune als nach Konsumfrust aus. Vielleicht, weil die, die hier einkaufen, nicht auf jeden Euro gucken müssen? 17:30 Uhr. Am Ende des Tages schauen wir in einem Luxusgeschäft vorbei. Unter 1.500 Euro ist hier gar nichts zu bekommen. Eine Uhr kann sogar mehrere hunderttausend Euro kosten. Abschreckend oder nicht? Bei der Kundschaft ist zwar Diskretion angesagt, aber die Geschäftsführerin gibt Auskunft: "Der Kunde ist immer noch bereit – obwohl dieses Luxus ist – sich das zu gönnen, zu leisten und Spaß daran zu haben. Also das ist weiter geblieben bei uns." Wie sieht denn Ihre Kundschaft überhaupt aus? "Quer gemischt. Von jungen Leuten bis unseren klassischen Stammkunden, die wir über neun Jahre gefunden haben und hier haben. Die sehr Personen bezogen sind, auf meine Kollegen, auf mich. Aber es ist von jung bis alt, von Freizeit bis Anzug alles vertreten. Wenn Sie hier einen ganzen Tag sind, sehen Sie alles." Unser Eindruck nach einem Tag in der Schildergasse: Luxus geht nach wie vor. Aber gedämpfte Konsumlaune bei denen, die mehr aufs Geld gucken müssen.
