
Opel kämpft ums Überleben und die Stadt Eisenach fiebert mit. Die Diskussionen um die Zukunft von Opel und damit auch um den Standort Eisenach lassen in der traditionsreichen Autostadt zurzeit niemanden kalt. Beim "Motorsportclub Eisenach" hängt das Herz am Ralleyfahren und die Existenz an der Autoindustrie. Irgendwie verdienen hier alle ihr Geld rund um das Auto, so wie Thomas Gimm. Er arbeitet bei Opel. Zwangsläufig ist die Opel-Krise auch eine Krise des Vereins. Das meint auch Thomas Gimm vom Motorsportclub Eisenach e.V.: "Ja, die Autokrise ist im Verein ein Thema. Weil wir gerade dabei sind und suchen Sponsoren. Sponsorensuche ist für uns sehr schwierig dieses Jahr, weil halt eben die Autokrise ist und das Portemonnaie sehr geschlossen gehalten wird". Eisenach ist eine Autostadt mit langer Tradition. Jetzt aber kämpft der größte Arbeitgeber der Region ums Überleben und fährt schweres Geschütz auf: Opel fordert Staatshilfe. Für Ralleyfan Thomas Gimm ist die Fahrt zur Arbeit zurzeit nicht leicht. Immer wieder Hiobsbotschaften, und die Ungewissheit – rettet der Staat seinen Arbeitsplatz oder nicht? Thomas Gimm ist Betriebsingenieur bei Opel Eisenach. Das Werk gehört zu den modernsten der Welt. Pünktlich beim Schichtwechsel erhält er den neuesten Stand: Die Kurzarbeit ist aufgehoben, Sonderschichten laufen, die Produktion brummt. Irgendwie verrückt, dass er trotzdem Angst um seinen Jobs haben muss: "Ich bin schon sehr angespannt, ich hoffe ganz stark darauf, dass das gut ausgeht, dass wir alle unsere Arbeitsplätze hier behalten, dass wir weiterarbeiten können und unser Leben so weiterführen können, wie wir es eigentlich gewohnt sind." Ungewöhnlich ist zurzeit auch der Erfolg der Abwrackprämie, täglich gehen hier 750 Corsas vom Band. Aber in den letzten Jahren verlor Opel immer mehr Marktanteile – und selbst mit dem Staat als Retter müssen die 1800 Opelaner hier mit massiven Einschnitten rechnen. Dazu äußert sich Harald Lieske, Betriebsrat der Opel Eisenach GmbH: "Ich gehe davon aus, dass es eine Lösung gibt ohne Werksschließung und damit ohne Werksschließung von Eisenach, und ich hoffe, dass möglichst wenig Personal abgebaut werden muss und wenn, dann dass es sozialverträglich geschieht, und natürlich hoffe ich, dass die Kunden uns treu bleiben und weiter Corsas kaufen". Auch der Eisenacher Opel-Händler Schorr taumelt zwischen Freud und Leid. Die Kunden kaufen wie nie zuvor, und dennoch muss der Geschäftsführer um sein Autohaus bangen. Wie er wollen sich 4000 Opel-Händler deswegen zur Not an Opel beteiligen und investieren. Sascha Schorr: "Ich würde das als ein sehr gutes Signal bewerten, auch gegenüber der Politik, gegenüber unseren Kunden, dass wir hinter der Marke stehen und wir haben wirklich im Moment sehr gute Produkte". Der Aufschrei in der Region wäre groß, doch eine Pleite von Opel würde nicht allen schaden: zum Beispiel Zulieferern wie dem traditionsreichen Unternehmen "Truck-Lite". 350 Mitarbeiter produzieren hier täglich 110.000 Teile rund um die Autobeleuchtung. Werksleiter Ralf Urban hat das Unternehmen breit aufgestellt. Zu den Kunden gehören VW und Daimler. Ralf Urban sieht durchaus positive Aspekte: "So schlimm sich das anhört, da wir für Opel gar nicht liefern, ist die Wahrscheinlichkeit, dass wir davon profitieren relativ groß, indem Segmente von anderen Autoherstellern einfach besser verkauft werden können als es bisher bei Opel der Fall war." Für Thomas Gimm ist die Sache klar – ob nun mit Staatshilfe oder ohne, ob das Opel-Werk Eisenach vielleicht sogar verkauft wird oder nicht. Die Jobs müssen erhalten bleiben. Sonst beginnt der Motor zu stottern.
