
Als revolutionärer Durchbruch gilt, dass US-Flugzeugriese Boeing, mit dem 'Dreamliner' ein Flugzeug aus ultraleichter Kohlefaser (CFK) baut. Was viele nicht wissen: Den Passagierflieger aus CFK gibt es längst. Die Grob Aerospace AG im Bayerischen Mattsies produziert seit über 30 Jahren Flugzeuge, die fast komplett aus Kohlefaser bestehen. Mit dem Grob BusinessJet 'SPn' steht das erste aus Karbon gefertigte Passagierflugzeug der Welt unmittelbar vor der Marktzulassung. Bei Kerosinverbrauch und Stabilität wird der neue Passagierjet der Konkurrenz wohl haushoch überlegen sein. 5,9 Millionen Euro kostet der 8-Sitzer. 80 feste Kunden gibt es schon. MiG-Reporter Patrick Benning besuchte die innovativen Flugzeugbauer in der bayerischen Provinz, deren unternehmerischer Wagemut sich am Ende ausgezahlt hat. Der Preis aber war hoch: Bei einem fehlgeschlagenen Erprobungsflug starb 2006 ein Testpilot... --------------------------------------------------------------------- Auf ihrem Weg zur Arbeit begleitet Andreas Strohmayer seine Testpiloten in letzter Zeit besonders gern. Seit fast 40 Jahren baut Grob Aerospace im bayrischen Mattsies Flugzeuge, doch ein Passagierjet ist zum ersten Mal im Programm. Man sieht es nicht auf den ersten Blick, aber: In dieser Hülle steckt Kohlefaser statt Metall, was das Flugzeug für den Flieger zu etwas besonderem macht. Testpilot Tore Reimers erklärt: "Von Pilotenseite ist das die Leistung Performance, das heißt: Kurze Landestrecke, kurze Startstrecke, und steigt sehr steil und fliegt schnell und hoch." Noch startet der Grob Businessjet nur zu Demonstrationsflügen. Andreas Strohmayer, der Geschäftsführer von Grob Aerospace sagt: "Wir zeigen für ein Businessjet-Flugzeug unspektakuläre Manöver, das heißt engere Kurven und den steilen Start zum Beispiel – einfach um zu zeigen, welche Kraft eigentlich in diesem Flugzeug steckt. Aber alles weit im Bereich dessen, was das Flugzeug als Flugbereich eröffnet hat." Die Leistungen des neuen Grob Jets haben sich in der Fachwelt herumgesprochen. Laut Prospekt kommt er mit weniger als einem Kilometer Startbahn aus und soll sogar auf Wiesen landen können. Beispiellos für ein Düsenflugzeug. Während die Piloten üben, führt uns Geschäftsführer Strohmayer herum. Von 100 Vorbestellungen kann er berichten - zum Stückpreis von rund sechs Millionen Euro. Kohlefaser ist "in" – auch wegen des Rummels um den Boeing "Dreamliner". Die Firma Grob profitiert davon. Andreas Strohmayer: "Hier sieht man jetzt zum Beispiel sehr gut diese Kohlefaserstruktur. Wir haben einen Vorderholm hier aus komplett Kohlefaser. Und die Kohlefaser – das ist das Unikat bei uns – ist verklebt mit der Flügelhaut. Hier gibt’s keine Nieten, also eine nietenfreie Struktur." An die 10.000 Teile hat der Rumpf eines vergleichbaren Metallflugzeugs. Hier sind es nur noch 150. Nebeneffekt: Der Grob-Jet bietet mehr Innenraum als seine Konkurrenten. Radikal neue Methoden, so in etwa lautet das Erfolgsrezept. "Hier haben wir jetzt eine Flugzeugform – eine so genannte Mulde", erklärt Strohmayer. "Das heißt: Hier von der Nasenspitze bis zum Seitenleitwerksende ist das eine Form. Und da wird das Flugzeug in ‚einem‘ eingelegt. Das heißt: Hier kommen die Kohlefasern rein. Und hier kommt auf die Kohlefasern auch dieser so genannte ‚Wabenkern‘. Das heißt: Was wir hier haben, das sind ganz dünne Waben, die dem Flugzeugrumpf Steifigkeit geben." Der Beobachter staunt, mit welch einfachen Mitteln man ein Flugzeug bauen kann. CFK heißt das Wundermaterial in korrekter Abkürzung. Einmal in Form, wird es luftdicht verpackt und unter Vakuum verbacken. Ein eher unspektakulärer Ablauf, der in einem immerhin ziemlich großen Ofen endet. Das Resultat freilich zeigt beste Eigenschaften. Strohmeyer: "Hier haben wir jetzt diese Fensterrahmen, die wir vorher in der Fertigung gesehen haben. Das heißt: Das ist jetzt die ausgehärtete Kohlefaser. Die ist stabil. Die ist steif, das ist hier in diesem Fall jetzt Formsteifigkeit, durch dieses ‚Hut‘-Profil, das wir hier haben. Das kriegen wir nicht gebogen. Lange waren leichte Trainingsflugzeuge für das Militär das Hauptprodukt bei Grob Aerospace. Kohlefaser – so berichtet uns Andreas Strohmayer – erwies sich früh als das Material der Wahl für solche Spezialmaschinen. 37 Jahre Erfahrung mit ihrem Werkstoff ließen die 120-Mitarbeiter-Firma das Wagnis eingehen, den viel größeren Geschäftsflieger zu entwickeln. Doch 2006 schien alles zuende: Ein Prototyp verunglückte, ein Testpilot kam ums Leben. Ein Schock auch für Andreas Strohmayer: "Ein Absturz in der Flugerprobung ist natürlich für jedes Unternehmern - aber besonders für ein mittelständisch geprägtes Unternehmen wie das unsere - eine Tragödie ... Da gibt’s zum einen die rein technische Fragestellung: ‚Woran lag’s denn?‘ und zum anderen die menschliche Tragödie dahinter - jeder kennt hier jeden ... Somit ist es nicht leicht ...! Heute seien technische Probleme kein Thema mehr. Das Kundenvertrauen ist zurückgekehrt, obwohl noch offizielle Untersuchungen laufen. Die Kohlefaser-Revolution scheint gelungen - zumindest bei Grob Aerospace in Bayern.
