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"Bad Bank" – Fluch oder Segen?

"Bad Bank" – Fluch oder Segen?

300 Milliarden Euro oder gar eine Billion? Niemand weiß genau, mit welchen Summen notleidende Wertpapiere die deutschen Banken und ihre Bilanzen belasten. Klar ist nur: Die Bücher müssen „gesäubert” werden, bevor die Branche sich von den Folgen der Finanzkrise erholen kann. Nur wie? Die Lösung könnte eine "Bad Bank" sein, auf deutsch "Abwicklungsbank" genannt. Die "Bad Bank" ist ein Finanzinstitut, das nur zu dem Zweck gegründet wurde, "Giftpapiere" zu übernehmen und abzuwickeln. Und das im günstigsten Fall sogar mit Gewinn. Doch die Risiken sind gewaltig. Ob dafür der Staat gerade stehen muss oder die Banken, darüber wird seit Wochen leidenschaftlich gestritten. Unser Reporter Patrick Benning hat Gegner und Befürworter des radikalen Rettungsmodells befragt. Dabei traf er auf empörte Steuerzahler, schweigsame Banker, kreative Wissenschaftler und einen schwedischen Experten, der das Experiment "Bad Bank" schon hinter sich hat. Er spricht den Deutschen Mut zu: "Die Probleme können gelöst werden, wenn man aufhört, sie zu verschleiern!" ------------------------------------------------------------------------------- Mit den Banken ist es wie mit dem Obst: Man muss die vergammelten Beeren heraussuchen, sonst wird am Ende die ganze Traube schlecht ... Doch was ist nun eine schlechte Bank, auf englisch "Bad Bank"? Die Menschen, von deren Steuern diese Bank bezahlt werden müsste, sind wenig begeistert: "Das wär‘ jetzt noch das Allerletzte, dass ich die Risiken der Banken übernehme. Da fehlen mir die Worte", sagt eine Frau. "Mir kommt das vor, als wär‘ das wie ein Beichtstuhl. Da gibt man seine Sünden ab, die man begangen hat in der Vergangenheit, muss dafür ein paar 'Vater unser' beten und damit hat sich’s.", meint ein Mann. Ein anderer: "Ja, wenn die Banken alle den Bach runtergehen, ist uns auch nicht geholfen. Da gebe ich lieber ein bisschen was von meinen Steuern ab. Aber die müssen natürlich schon auch selbst aktiv werden und können sich nicht allein auf den Staat verlassen." Alle faulen Kredite sollen an den Staat gehen? Dagegen protestiert auch Rainer Holznagel vom Bund der Steuerzahler. "Der Staat", sagt er, "habe doch längst Rettungsschirme für die Banken gespannt, die diese aber nicht nutzten. Wir stellen nur einfach fest: Von den 80 Mrd. Euro Eigenkapitalstärkung wurden nur 18 Mrd. abgerufen. Das macht deutlich, dass anscheinend die Not noch nicht so groß ist, wie uns die Banken tagtäglich verkaufen wollen." Frankfurt, Bankenviertel. Von hier aus wurde – hinter den Kulissen – heftig Lobbyarbeit für eine staatliche "Bad Bank" gemacht. Allen voran durch die Deutsche Bank, die dazu allerdings kein Interview gibt. Sie betont aber ausdrücklich, dass sie selbst ein solches Institut nicht nötig habe. Auch andere Banken schweigen lieber – ob aus Angst um den Aktienkurs oder vor empörten Steuerbürgern, ist unklar. Zu hören ist nur: Es gibt zu viele Problempapiere. Die Banken brauchen eine Lösung. Wie diese Lösung aussehen kann, damit beschäftigt sich Professor Michael Grote. Er lehrt an der Frankfurt School of Finance und hält die ‚Bad Bank‘ im Prinzip für eine gute Idee. Jedoch nicht als "Mülleimer", sondern als "Parkplatz" für schwierige Papiere, die andernfalls die Bankbilanzen verderben, so der Wirtschaftswissenschaftler: "Wenn Sie ein schlechtes Wertpapier in der Bilanz haben, als Bank, dann versuchen Sie, das zu verkaufen. Es versuchen aber gerade sehr viele Banken, dieses Wertpapier zu verkaufen. Und damit sinkt der Preis der Wertpapiere, so dass die anderen Banken wieder noch stärker abschreiben müssen. Das ist so ein sich verstärkender Prozess der Abschreibung insgesamt. Und deswegen gibt es keine fixe Summe an problematischen Wertpapieren, sondern es verstärkt sich weiter."ATMO frei bis 2:38!! Problematische Wertpapiere... die gibt es auch in Frankfurts berühmten Apfelwein-Kneipen. Zumindest manchmal. Auch Bierdeckel sind, wenn man so will, Wertpapiere – besichert mit Forderungen an die trinkfreudige Kundschaft. Das Risiko, dass ein Gast nicht zahlt, lässt sich im Prinzip mit einer Schere halbieren. Fertig sind zwei Kneipen-Derivate! Die kann man nun an zwei Gläubiger weiterverkaufen. So haben es die Banker millionenfach gemacht. Alles klar? So langsam verliert man den Überblick. Ihn zurück zu gewinnen, dafür vor allem sind "Bad Banks" nützlich. Das sagt ein Mann, der sich in Hamburg gerade als Berater niedergelassen hat. Die "Schlechten Banken" sind das Spezialgebiet von Jan Eric Kvarnström. Er ist Schwede und hat eine "Bad Bank" gemanagt: auf dem Höhepunkt einer Bankenkrise, die Kvarnströms Land in den 1990ern erlebte. "Schwedens Bad Bank ‚Securum‘ war KEINE nationale Einrichtung", sagt er, "sondern einer großen Bank zugeordnet. Sie hatte Kapital genug, um zu überleben, den Markt zu stabilisieren, die Bestände zu ordnen. Und das über eine Zeit von fünfzehn Jahren. Zum Glück war die Krise schon nach fünf Jahren vorbei, die Märkte kamen zurück. Die ‚Bad Bank‘ hatte effizient und schnell gearbeitet. Und so konnten wir unsere Wertpapiere schon nach fünf Jahren weiter verkaufen." Einen Lotsen, aber keinen Retter, so glaubt Jan Kvarnström, brauchen die Banken in dieser Krise. Und sie brauche viele kleine "Bad Banks" statt einer großen. Viel Arbeit für seine junge Firma. Der Staat freilich wird mitbezahlen müssen, ob es uns Steuerzahlern gefällt oder nicht. Sonst ist der Ast, auf dem wir alle sitzen, irgendwann ab.

DW-World | February 10, 2009Watch more videos from DW-World

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