


Christine Schweikert ist Rohstoffexpertin bei der BHF Bank in Frankfurt. Wir sprechen mit ihr über den hohen Ölpreis und seine Auswirkungen auf die Automobilindustrie. DW-TV: Was passiert da eigentlich am Rohstoffmarkt? Die Rohstoffexpertin Christine Schweikert von der BHF-Bank ist bei uns. Frau Schweikert fahren Sie noch Auto? Christine Schweikert: Ich fahre noch Auto, so kurze Strecken aber ansonsten nehme ich die Bahn. DW-TV: Benzin oder Diesel? Christine Schweikert: Benzin! DW-TV: Benzin! Sie haben Glück! Es ist tatsächlich so – man fragt sich schon, was in den letzten Monaten passiert ist! Dieselkraftstoff war in Deutschland immer günstiger, allein im letzten Jahr waren es noch 30 Cent. Plötzlich kann man beobachten, dass der Rohstoffpreis in Rotterdam in den vergangenen 12 Monaten um 37 Prozent gestiegen ist. Benzin ist dort auch teuerer geworden – aber der Anstieg war nicht so rasant. Was ist da passiert? Christine Schweikert: Also, wir haben zum einen: Diesel ist in Deutschland billiger als Benzin, weil es eben steuerlich nicht so stark belastet ist; der steuerliche Satz oben drauf ist geringer! Eigentlich ist Diesel teuerer als Benzin! Und warum jetzt die Dieselnotierung so angestiegen ist, dass liegt an der Nachfrage: Wir haben hier relativ begrenzte Raffineriekapazitäten in Europa, das heißt, wir müssen Diesel importieren und auch auf dem Weltmarkt ist Diesel – relativ gesehen – knapp, weil wir haben zur Zeit sehr hohe Dieselnachfragen aus China. Da sind viele Kohlekraftwerke ausgefallen und die importieren auch verstärkt Diesel in Vorbereitung auf die Olympiade. DW-TV: Also, das ist nicht nur ein deutschlandweites Problem oder europaweit, sondern schon ein weltweites, ein globales Problem. Wird es denn unter Umständen wieder besser, wenn China mit der Olympiade durch ist. Also, können wir damit rechnen, dass es vielleicht wieder ein bisschen nach unten geht? Christine Schweikert: Ich denke schon, dass diese Sonderfaktoren die jetzt eben auch für so eine hohe Dieselnachfrage sprechen, dass die, wenn diese Faktoren vorbei sind, dass dann die Dieselpreise ein wenig runter kommen. Aber natürlich haben hier in Deutschland immer mehr Verbraucher Diesel gekauft, eben weil es sich gerechnet hat, und das hat natürlich auch zu der höheren Nachfrage beigetragen. Man geht langfristig davon aus, dass Diesel im Vergleich zu Benzin eher weiter teuerer bleibt und auch eher noch teuerer wird. DW-TV: Nun haben aber gerade die deutschen Autobauer – Sie haben es gerade gesagt –auf Diesel gesetzt. Haben die gar nicht damit gerechnet? Kam das so überraschend, dass es auf einmal so weit hoch geht? Christine Schweikert: Gut, es gibt schon länger Stimmen, die darauf hinweisen, dass wir bei den Dieselpreisen mit Erhöhung rechnen müssen. Einfach von den Raffineriekapazitäten her! Ja, wann stellt man sich darauf ein? Wann glaubt man diesen Prognosen, wann reagiere ich als Produzent, als Verbraucher? Ich denke, wenn jetzt diese relativ hohen Dieselpreise bleiben – und auch zusätzliche Kosten für Dieselmotoren entstehen wegen der Abgasvorschriften – dass wir dann eher ein Abflauen der Nachfrage nach Dieselfahrzeugen sehen werden. DW-TV: Sie haben es gesagt, zum einen bestimmt die Nachfrage den Preis, aber es gibt noch ein anderes Problem und das ist das Rohöl. In der aktuellen Ausgabe von National Geographic heißt es von einigen Wissenschaftlern: "Wir sind schon am peak!". Also es geht nur noch abwärts mit der Förderung, aber genau weiß man es nicht. Welche Alternativen bleiben denn noch? Christine Schweikert: Ja, dass ist immer so eine Debatte mit dem sogenannten "peak oil"! Stimmt das jetzt, stimmt das nicht? Da gibt es ganz widersprüchliche Aussagen. Sagen wir mal so, also Erdöl ist eine endliche Ressource. Ich denke nicht, dass wir schon vor diesem "peak oil" stehen, aber Öl wird immer schwieriger zu fördern. Die Förderung wird ständig teuerer und das beeinflusst eben auch den Preis. Das Angebot kann man nicht schnell erweitern und das ist eben nicht billig zu haben. Die Vorkommen, die gefunden werden – und es werden ja neue Vorkommen gefunden – die sind oft in der Tiefsee; das sind ganz aufwendige Bohrungen und dann spricht es dann dafür – einfach von der Kostenseite her – dass Öl teuerer wird. (Interview: Anja Heyde)
DW-World | June 3, 2008
