


Gold ist in und damit auch verstärkt im Blick von Christine Schweikert. Sie ist Rohstoffexpertin bei der BHF-Bank. Wir haben uns mit ihr über die Entwicklung des Goldpreises unterhalten. DW-TV: Frau Schweikert, mal jenseits der nüchternen Analyse: Hat Gold für Sie persönlich auch noch einen bestimmten Reiz? Christine Schweikert: Gold finde ich als Frau ganz schön. Als Volkswirtin tue ich mich damit ein bisschen schwer, weil es ein Anlagevehikel ist, das keine Zinsen bringt. DW-TV: Aber eines, das die Weltmärkte im Moment bewegt. Ein Goldrausch, wie schon lange nicht mehr ist da. Der Preis für die Feinunze ist allein in diesem Jahr von 600 auf mehr als 800 Dollar gestiegen. Im Vergleich dazu sehen wir den Verfall des Dollarkurses. Frau Schweikert, was lesen Sie daraus? Christine Schweikert: Es gibt eine Korrelation, also eine Verbindung zwischen Gold und Dollar. Ganz kurz gesagt, wenn der Dollar fällt, steigt Gold tendenziell. Das sieht man an der Grafik auch sehr schön. Und das hat eben in diesem Jahr auch besonders gegriffen mit dem Beginn der Kreditkrise im September, wo dann der Dollar so abgeschmiert ist und eben Gold im Zuge dieser Unsicherheit und dieser Flucht ins Greifbare eben sehr stark gewonnen hat. DW-TV: Das heißt aber auch immer: die starke Nachfrage nach Gold ist mit ein treibender Faktor. Woher kommt die Nachfrage? Christine Schweikert: Die Nachfrage kommt zum einen aus der Schmuckseite her. Länder wie Indien, China, die OPEC-Staaten werden immer reicher und da ist eben Gold auch immer sehr populär als Geschenk für Schmuck. Das ist die eine Seite. Und die andere Seite ist, dass immer mehr Investoren auch Gold und Rohstoffe insgesamt entdecken für sich in der Anlage. Und da haben wir ganz ganz starke Nachfrage. DW-TV: Und wie muss man sich das dann vorstellen? Legen die sich dann Goldbarren irgendwohin? Christine Schweikert: Manche machen das tatsächlich. Wobei man dann für Versicherungen, für die Aufbewahrung und Transport eben auch sehr viel Geld bezahlen muss. Aber man kann das ja heute ganz einfach an der Börse über Exchange Traded Funds machen. So dass ich praktisch den Goldpreis abbilde, aber mir nicht selbst das Gold zu Hause hinlege. DW-TV: Kollegen von Ihnen, die auch Rohstoffexperten sind, sehen Gold am Beginn eines Superzyklus. Das heißt der Preis wird weiter deutlich steigen. Stimmen Sie dem zu? Christine Schweikert: Ich kann mir vorstellen, dass der Preis sehr wohl noch in die Höhe geht. Wir haben die Situation, wo es hohe Unsicherheit gibt, plus sehr viel Liquidität und das zusammen bei einem Angebot, was zumindest von der Minenseite her, eben auch nicht sehr stark steigen wird. Das spricht eher für steigende Goldpreise. Das sehe ich auch so. Interview: Katrin Prüfig
DW-World | December 4, 2007

